Urlaub – Teil 1 Ein nächtlicher Traum- weiter gedacht
- Jessi Lui
- 11. März
- 7 Min. Lesezeit
Urlaub – Teil 1 Ein nächtlicher Traum- weiter gedacht
In diesen Tagen im März war es so warm in Deutschland, als befänden wir uns im Urlaub im Süden und nicht in der ersten Hälfte des März. Die neue Woche hatten wir etwas vor. Wir wollten für fünf Probanden eine Illusion erschaffen. Einen Albtraum wahr werden lassen. Die Bedingungen waren vorher geklärt und sie ließen uns einvernehmlich handeln. Die Tabletten, die wir gaben, waren Tik Taks. In den Spritzen, die Esmira, ausgebildete Krankenschwester verabreichte, befand sich Kochsalz. Die Verträge, was wir durften und was nicht, hatten einem anwaltlichen Blick von Lea standgehalten, nachdem Freya, die in ihrer Abschlussausbildung war, sie mit den Probanden ausgearbeitet hatte. Sie würde im Notfall als Mittler fungieren, denn von den anderen Beteiligten, nunja, war wenig Gnade zu erwarten.
Am ersten Tag hatten die fünf Jungs noch geholfen, alles herzurichten.
Nun kam einer nach dem anderen zur Rezeption und bat um Ersthilfe. Es dauerte nicht lange und fünf gestandene Männer lagen in einem Saal und feixten, über das bevorstehende Abenteuer. Nunja, was soll ich sagen. Wir stellten uns vor. Schwester Esmira, für die Medizin zuständig, Erzieherin Meli, Erzieherin Betty, die man trotz ihrer Blindheit nicht unterschätzen durfte, Erzieherin Cecilia, Erzieherin Lydia, Erzieherin Tani, die sich diesen gemeinsamen Urlaub als Team nicht entgehen lassen wollte, obwohl sie sonst eher online oder für den Film unterwegs war, sowie Erzieherin Vanessa und Erzieherin Peciou aus dem befreundeten Studio Nocturnia. Und dann war noch ich, Herrin Jessi. Welche Rolle ich genau einnehmen würde, wer weiß?
Ein Heim für schwererziehbare Jugendliche volljährige jugendstrafrechtrechtlich verurteilte Männer. Passte das zur Ersten Hilfe. Sie verbrachten die erste Nacht gemeinsam in dem Zimmer. Zwei quatschten die ganze Nacht. Aber irgendwann würden auch sie schlafen. Sie verschoben dadurch nur ihren Start ins Abenteuer.
Alle fünf wachten am Morgen in einem eigenen Zimmer auf. Jeder von ihnen war auf dem Bett fixiert und jeden von ihnen erwartete eine individuelle Anklage, ein richterlicher Beschluss und das Fixieren seiner selbst an einer Kette am Hals. Der Rest würde sich finden.
Frank, Gert, Martin, Wolfgang und Andy erwachten auf einer Pritsche. Ihre Hände waren ihnen mit festen Schellen an die Halsstahlband gekettet. Dafür war für alle Ketten nur ein Schlüssel nötig, den jede von uns am Gürtel trug.
Ich betrat mit Peciou und Vanesa die Zelle von Andy. Andy hatte kurze blonde Haare und war ziemlich schlank. Er starrte Peciou an, die mit schwarzer Haut und schwarzen Haaren auf ihn zutrat und sofort mit sicherem Griff die Kette an seinem Hals fasste. „Nimm die Hände auf den Rücken!“ , knurrte sie ihn an. Er gehorchte. Vanessa legte ihm Handschellen an.
„Ich bin Erzieherin Peciou, das ist Erzieherin Vanessa und das ist die Leiterin der Station Erzieherin Jessi. Das wirst Du Dir in den nächsten Wochen merken müssen.“
Peciou streichelte sein Gesicht und rieb ihm die Haare nach hinten. „Wen haben wir denn da?“ , fragte ich, mich auf das Klemmbrett konzentrierend. „Andy, vorbestraft wegen Belästigung von Frauen und rassistischen Äußerungen gegen Frauen und People of Color.“ „Kannst Du auch deutsch reden?“ Ich schaute zu Peciou, die auf die freche Frage blitzschnell ihr Knie zwischen seine Beine rammte. „Eine Bemerkung in diese Richtung ist unangebracht!“, fuhr sie ihn an. Er stöhnte. „Es tut mir leid Pocahontas.“ Erneut traf ihn das Knie zwischen die Beine. Ihre Hand fasste sein Haar und ließ ihn schmerzhaft fühlen, dass sie hier keinen Spaß verstand. „Ich glaube, wir werden in den nächsten Tagen viel Spaß miteinander haben.“ Vanessa trat neben sie und richtete ihre Worte an Andy. „Falls Du ein gute Wärterin böse Wärterin Spiel erwartet hast, muss ich Dich enttäuschen. Peciou und ich sind so.“ Sie zeigte ihre gekreuzten Finger.
Ich sah, wie die Energie zwischen den dreien floss.
„Du bist zur Beobachtung hier und wir werden entscheiden, wohin Dich der Weg in den nächsten Jahrzehnten führen wird. Wirst Du im Kerker versauern oder wird ein gehorsamer Sklave aus Dir. Wir werden in den kommenden Wochen zu beurteilen haben, ob eine Rehabilitation möglich sein wird. Wir werden beurteilen, ob Du eher für den Steinbruch taugst oder als Liebesdiener, als Putzsklave oder als jemand, der nur zum Steineschleppen taugt, weil er zum Hämmern zu dumm ist. Sei Dir sicher, wir finden eine Aufgabe für Dich. Du wirst lernen, Dich völlig zu unterwerfen und falls Du das nicht freiwillig tust, werden wir Dich mit Schmerzen dazu bewegen.“ Peciou nickte zu meinen Worten. „Nach zweiundsiebzig qualvollen Stunden Schlafentzug wirst Du mir aus der schwarzen Hand fressen und trinken, damit ich Dich danach für fünf Minuten die Augen schließen lasse. Das hast Du Dir bereits verdient.“
„Ich dachte, dass ist ein Krankenhaus?“, fragte Andy leicht irritiert. „Ja, für Schwererziehbare. Aber wir haben alternative Heilmethoden. Solltest Du allerdings zur Gewalt neigen, werden wir Dich mit Pillen und Spritzen eindecken, die verhindern, dass Du Dich körperlich wehren kannst. Du wirst Deinen Körper nicht mehr bewegen können, aber Dein Geist wird voll da sein. Wir wollen ja nicht, dass Du Dich verletzt und Du sollst ja auch was lernen. Da nützt es nichts, wenn Du geistig abwesend bist. Außerdem, solltest Du über eine Verlegung in ein anderes Militärgefängniskrankenhaus nachdenken, so verlange Deine Anwältin Freya zu sprechen. Es gibt drei Wege hier raus. Entweder durch uns in ein anderes Gefängnis, durch Freya.“ Ich zögerte. „Oder in einem Sarg.“ , vollendete Peciou den Satz. Andy schluckte.
Wie aufs Kommando schlenderte Freya in den Raum. „Ah, da haben wir ja 192a.“ Wir schauten alle zu ihr. Meine Sklavin schaute doch tatsächlich an die Decke. Aber hier war nicht der Ort, das zu klären. „Verhetzende Beleidigung.“ „Ich mag Andy.“, entfuhr es mir, wobei eher der Name als die Person gemeint war. Freya zuckte die Achseln. Es war das beste was sie tun konnte. „Es ist Euer Gefangener. Ich bin hier nur Rechtsberatung.“ „Andy, 192a. Kannst Du Dir das merken.“ Als Peciou zuckte, beeilte er sich „Ja natürlich.“ zu sagen. Peciou trat trotzdem zu: „Ja natürlich Erzieherin Jessi.“, flüsterte sie ihm ins Ohr und genoss dann noch sein schmerzverzehrtes Gesicht. „Ja natürlich Erzieherin Jessi.“, wiederholte er brav. „So natürlich scheint das nicht zu sein.“ Er zuckte, einen neuerlichen Tritt erwartend, aber der blieb aus. Ich sah Freya an: „Was sagt 192a?“ Sie hatte ihn in wenigen Sekunden in ihrem Buch: „§192a Strafgesetzbuch Wer einen Inhalt, der geeignet ist, die Menschenwürde anderer dadurch anzugreifen, dass er eine durch ihre nationale, rassische, religiöse oder ethnische Herkunft, ihre Weltanschauung, ihre Behinderung oder ihre sexuelle Orientierung bestimmte Gruppe oder einen Einzelnen … beschimpft, böswillig verächtlich …, wird mit Freiheitsstrafe bis …“
„Wow, in Zukunft reicht eine Zusammenfassung.“ Sie nickte. Ich drehte mich zu Andy: „Ich glaube 192a passt. Merk Dir das. Wir werden Dich immer wieder an Dein Vergehen erinnern.“
Andy nickte, worauf Vanessa ihm eine Ohrfeige gab. „Ich will eine klare Antwort, wenn wir mit Dir sprechen!“ „Ja Erzieherin Vanessa. Natürlich.“ Sie ließ von ihm ab.
Eine Esmira erschien im Türrahmen. Sie war in Latex gehüllt und grinste. „Es wird Zeit für den Einlauf Mädels.“ „Ihr macht das schon.“, entschied Freya und verschwand in der Tür. „Kleiner Tipp, Gefangenenmeuterei ist § 121.“ „Aber dazu gehören zwei.“, dachte ich, aber es war nur ein Gedanke. „Wehrstrafgesetz § 20 Gehorsamsverweigerung.“, hörte ich die Antwort. Meine Sub kannte mich einfach zu gut. „Bis später Herrin.“
„Von neutraler Verteidigung kann hier wohl nicht die Rede sein.“, bemerkte ich grinsend.
Andy war so eingeschüchtert, dass er keinen Widerstand leistete. Nachdem er sich entleert hatte, ließ er sich an eine Kette, die bis zum Klo reichte, fixieren. Wir verließen den Raum.
Wir gingen zu Frank, wobei Peciou zurück blieb und sich stattdessen Betty hinzu gesellte. Auch Freya war wieder neben uns, als wir den Raum betreten. „Hier haben wir Patient 502.“ Patient klang so harmlos, dass ich grinsen musste. Dennoch fragte ich ruhig: „Wieso 502?“ Freya nahm den Blick nicht von ihm. „Basiert auf dem Josephinischen Strafgesetz §502 Ehebruch. Er hat Glück, denn noch im Hochmittelalter wurde hier die Todesstrafe durch Pfählung vollzogen. So weit werden wir hier nicht gehen. Sie fasste Bettys Schulter. „Erzieherin Betty ist Expertin für die anale Pfählung.“ Die blinde Frau grinste. „Und ob.“ Frank bekam den Mund nicht zu. „Ich glaube, da habe ich auch Spaß daran.“, fügte Vanessa hinzu. „Esmira wird gleich bei Euch sein wegen dem Einlauf. Wenn Ihr Hilfe braucht, sagt Bescheid!“
Die beiden blieben zurück. Freya und ich gingen weiter zu Tani und Lydia, die bereits bei Gert warteten. „Was haben wir hier?“ , fragte ich an Freya gerichtet. Die warf einen Blick auf ihren Zettel. Freyas Blick blieb ernst: „Das ist 175b.“ Kurz und knapp. Alle schauten sie an. „Er hat zu seiner Frau gesagt, er möchte ihr Kätzchen vernaschen. Somit fällt er unter 175b Strafgesetzbuch. §175a sexuelle Handlungen unter männlichen Personen galt noch bis 1994 als Strafbar. Nur so nebenbei und in dunklen Zeiten gab es dafür bis zu zehn Jahren Zuchthaus. Auch in der DDR galt das noch bis 1988 als strafbar.“ Ich unterbrach sie: „Frau Anwältin. Ich komme nicht mehr mit. Weshalb sitzt er?“ „Unzucht mit Tieren. Entschuldige. Er wollte ein Kätzchen vernaschen.“ Ich schüttelte bewundernd den Kopf. Was sich die angehende Anwältin nicht alles ausgedacht hatte. „Seine Frau rief die Polizei und nun ist er hier.“ Ich blickte zu Tani, deren Vorfahren einst aus Taiwan gekommen waren und wir beide begannen erst zu kichern, zu lachen und uns schließlich nach Tanis Korrektur: „Hunde, in China essen sie Hunde, nicht Katzen“, auf dem Boden zu wälzen. Gert schaute ungläubig zu uns. Wir richteten uns auf. „Diesen Blick wirst Du bereuen!“, fauchte Tani Gerd an, als wir uns wieder gefasst hatten. „Lydia hast Du eigentlich Deine Schlange mit?“, fragte Freya neugierig und tat unschuldig, indem sie sich den Zeigefinger an den Mund hielt. Lydia hatte eine täuschend echte mechanische Schlange, die einmal angelegt in jede erdenkliche Körperöffnung kroch, bis der Widerstand zu groß wurde und sie nicht weiterkam. „Glaubst Du, ich fahre hierher ohne sie?“
Beste Bedingungen also im Sinne der Deutsch-Taiwanesischen Beziehungen. Da konnte sich Trump was abschneiden. Zwinker. Freya und ich gingen weiter.
Ende Teil 1
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